Geschichte

freiraum-europa die expertInnen für barrierefreiheit

Unsere Geschichte und wie alles begann

Dietmar Robert Janoschek erblindete im Alter von 21 Jahren 1991 plötzlich und stand vor scheinbar übermächtigen Barrieren und Problemen. Die ersten ein bis zwei Jahre nach seiner Erblindung waren für ihn die schwerste Zeit in seinem bisherigen Leben. Denn er hatte Angst und konnte sich nur sehr schwer ein Leben als Blinder vorstellen. Hobbys wie Rad- und Mopedfahren, Videospiele, Billard, Tischtennis, Fotographieren udgl. wurden für ihn unmöglich und er verlor auch seinen Job, bei dem er auf das Sehen angewiesen war. Auch seine Verlobte war mit der Situation überfordert und trennte sich von ihm.

Trotzdem hat Dietmar Janoschek nicht aufgegeben. Er erkundigte sich bei Ämtern in mühevoller Kleinarbeit, wo er Kurse für Blindenschrift, Mobilitäts- und Orientierungstraining, EDV für Blinde udgl. machen könnte. Kam dann in ein Rehazentrum nach Linz und absolvierte dort eine Rehamaßnahme für Späterblindete sowie diverse Ausbildungen.

Zu diesem Zeitpunkt war Dietmar Janoschek bereits klar: "Es muss für Menschen mit Behinderung noch viel mehr getan werden. Denn vieles von dem, was trotz einer Behinderung möglich ist, wie und mit welchen Techniken sowie Hilfsmitteln, erfährt man als Betroffener nur schwer und oft über Umwege. Außerdem braucht es eine Anlaufstelle, die sich gerade am Beginn einer Behinderung um die Menschen kümmert und ihnen neuen Lebensmut gibt.

Das war die Motivation für Janoschek, sich bereits in den 90er Jahren ehrenamtlich, fast ein Jahrzehnt lang, beim Europäischen Verband für Mobilitätshilfen sowie beim Blindenverband zu engagieren. Im Laufe der Jahre spezialisierte er sich auf das Thema barrierefrei Bauen, Gestalten und Kommunikation.

Da er sich jedoch nicht nur für blinde und sehbehinderte Menschen einsetzen wollte, wurde er auch in anderen Vereinen für Menschen mit Körper- und Hörbehinderungen etc. ehrenamtlich tätig.

Erste Idee für freiraum-europa im Jahr 2000

Im Jahr 2000 hat Janoschek, der Angestellter der Landwirtschaftskammer OÖ ist, die Idee, eine Nutzergruppen- übergreifende Plattform bzw. einen Dachverband für Barrierefreiheit für alle und Design for all zu gründen. Neben der laufenden Vertretung des Blindenverbandes wurde er aufgrund seiner Kompetenz und seines großen Engagements und Verständnisses auch von Vereinen wie der Selbstbestimmt Leben Initiative, Schwerhörigenbund, Gehörlosenbund udgl. ersucht, auch ihre Interessen zur Verbesserungen der baulichen Umwelt zu vertreten. So leitete er z.b. als Sprecher der Projektgruppe Bildung und Behinderung der Stadt Linz viele Jahre ein Gremium und arbeitet seit 1999 im Österreichischen Normungsinstitut mit.

Die Vision von Janoschek war und ist, eine große gemeinsame Plattform behinderter und nicht behinderter Menschen und ihrer Organisationen, um für den Abbau von Barrieren und für Barrierefreiheit bei Neu- und Umbauprojekten zu kämpfen und sich generell für Menschen mit Behinderung einzusetzen, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

Nach dem Prinzip Design for all soll diese Plattform keine Behindertenorganisation sein, sondern sich disziplinübergreifend auch für Menschen mit Kinderwagen, RadfahrerInnen, Fahrgäste und ältere sowie pflegebedürftige Menschen einsetzen.

freiraum-europa nimmt Gestalt an

Nach weiteren drei Jahren ehrenamtlicher Arbeit bei diversen Vereinen, lernte Janoschek im März 2003 einen Bautechniker kennen und erzählte diesem seine Vision. Dieser war von der Idee begeistert und nach mehrmaligen Treffen und Diskussionen beschlossen die beiden, einen Verein zu gründen.

Zwischen Mai und August 2003 führte Janoschek mit zahlreichen Bekannten bzw. potentiellen Vereinsfunktionären Gespräche und informierte sich umfassend, wie ein Verein gegründet werden kann. Am 1.8.2003 fand die erste und am 3.10.2003 die zweite Proponentenkomiteesitzung statt.

Es konnte die Werbeagentur Pill gewonnen werden, die sich unentgeltlich bereit erklärt hatte, bei der Suche nach einem Vereinsnamen und einem Logo dem Proponentenkomitee zu helfen.

Der Proponent, Peter Lucan-Stood, ein Jurist und pensionierter Bankdirektor, der leider 2010 verstarb, erarbeitete gemeinsam mit Janoschek im August/September 2003 die Vereinsstatuten.

In der Proponentensitzung am 3.10.2003 wurden die Vereinsstatuten, der Vereinsname und der Wahlvorschlag für die Gründungsgeneralversammlung von freiraum beschlossen und der Bundespolizeidirektion OÖ, Vereinsreferat schriftlich übermittelt.

Mit Bescheid der Bundespolizeidirektion OÖ wurde der Verein freiraum EU Forum für sichere menschengerechte Umweltgestaltung nicht untersagt und mit 31.10.2003 in das Vereinsregister eingetragen.

Am 22.11.2003 fand im Toskanerstüberl im Promenadenhof Linz die 1. Generalversammlung statt, bei der die Vereinsstatuten und der Wahlvorschlag für den Vereinsvorstand und die RechnungsprüferInnen einstimmig von den Vereinsmitgliedern angenommen wurde.

Proponenten, Gründungsmitglieder und 1. gewählte Funktionäre von freiraum:

  • Präsident: Dietmar R. Janoschek
  • 1. Vizepräsident: Ing. Mag. Harald Stach
  • 2. Vizepräsident: Leopold Boyer
  • Kassier: Mag. Dr. Peter Lucan-Stood (verstorben 2010)
  • Kassier-Stv.: Sabine Gasteiger
  • Schriftführerin: Mag.a Sonja Frank
  • Schriftführerin-Stv.: Mag.a arch. Veronika Müller
  • Rechnungsprüferi: Mag.a arch. Gabriele Heidecker (verstorben 2008)
  • Rechnungsprüferin: Monika Trübswasser

Die folgenden Monate wurden bestimmt von zahlreichen Strategiegesprächen, wie freiraum optimal nach außen auftreten und wie das Vereinslogo aussehen soll. Auch wurde ein Infoblatt, Geschäftsordnung für den Vorstand sowie eine Funktionsmatrix und ein freiraum-Logo erarbeitet.

Es wurde bereits aktiv um Vereinsmitglieder geworben, Interessenvertretung für Barrierefreiheit betrieben, Werbung für freiraum gemacht, Subventionsanträge an diversen öffentliche Stellen verfasst, eine Homepage eingerichtet, Engagement bei zwei Equalprojekten eingebracht, ein Businessplan für eine OÖ Fachberatungsstelle für barrierefreies Planen und Bauen als Trägerprojekt für freiraum erarbeitet und mit Power-Pointpräsentationen bei Landeshauptmann Pühringer, LH-Stv. Hiesl, Land OÖ Sozialabteilung, LAb. Trübswasser, Vbgm Holzhammer, Sozialministerium und dem Bundessozialamt OÖ vorgestellt und beantragt.

Am 9.9.2004 fand die zweite ordentliche Generalversammlung von freiraum statt.

Als das größte Problem von freiraum wurde festgestellt, dass die Subventionsanträge, aus unverständlichen Gründen, alle abgelehnt wurden und auch die Mitgliedsbeiträge keinesfalls ausreichen, um die notwendigen Ausgaben des Vereins z.B. für Fahrtkosten, Telefon, Bürobedarf, Homepage, Porto udgl. abzudecken.

Bis zu diesem Zeitpunkt wurden alle Ausgaben des gemeinnützigen Vereins freiraum, vor allem von Dietmar Janoschek privat getragen, was auf die Dauer nicht zumutbar war. So wurde nach einer Lösung gesucht und in Abstimmung mit der Wirtschaftsprüfer- und Steuerberatungskanzlei KPMG vereinbart, dass freiraum zur Erreichung seiner Ziele als gemeinnütziger Verein, versuchen muss, Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen.

Mit der Vereinssatzung und den gesetzlichen Möglichkeiten ging dies konform.

Am 15.11.2004 meldete der Verein freiraum als Konsequenz daraus das Gewerbe Handel- und Handelsagenten an. Als ehrenamtlicher gewerblicher Geschäftsführer wurde der Präsident Dietmar R. Janoschek eingesetzt.

Seit diesem Zeitpunkt entwickelt sich der gemeinnützige Verein laufend in den Bereichen Interessenvertretung, Hilfsprojekte, Beratung, Planung, Akademie und Produkte weiter und ist stets im Auf- und Ausbau begriffen.

Am 14.5.2005 wurde in einem feierlichen Festakt unter Schirmherrschaft der Deutschen Bundesregierung, in Berlin, freiraum-europa als national member Organisation für Österreich, in den 1993 gegründeten Europäischen Dachverband EIDD - Design for all Europe aufgenommen.

Seit diesem Zeitpunkt arbeitet freiraum-europa auch international sehr engagiert für mehr Selbstbestimmung, Gleichberechtigung sowie Barrierefreiheit für alle Menschen und ist in ein sehr großes internationales Netzwerk eingebunden.

Anfang April 2007 übersiedelte das freiraum Büro von der Wohnung von Janoschek in das Technologiezentrum Linz. Zur selben Zeit wurde die erste freiraum-Angestellte für Sekretariat und Buchhaltung eingestellt.

Am 6.6.2007 wurde von der Generalversammlung einstimmig der Organisationsname: "freiraum EU Forum für sichere menschengerechte Umweltgestaltung" auf:

"freiraum-europa die expertInnen für barrierefreiheit" abgeändert und von den Vereinsmitgliedern ein neuer Vereinsvorstand unter Vorsitz von Dietmar Janoschek  für eine weitere Funktionsperiode gewählt.

Im September 2007 wurde bei freiraum-europa der erste Lehrling zur Ausbildung als Bürokauffrau eingestellt.

Bereits im Oktober 2007 war die Aufstockung des Sekretariatspersonals dringend erforderlich und ein weiterer Mitarbeiter wurde angestellt.

Aufgrund der steigenden Anzahl an Aufträgen von öffentlichen Stellen und Unternehmen, aber auch durch EU-Projekte und Sponsoren, konnten seit 2008 weitere Arbeitsplätze geschaffen werden. freiraum-europa bildete bereits fünf Lehrlinge aus und bietet auch laufend Arbeitsmöglichkeiten für PraktikantInnen. Wann immer möglich, wird BewerberInnen mit Behinderung der Vorzug gegeben.

2011 startete die Non-Profit-Organisation freiraum-europa Hilfsprojekte für behinderte Waisenkinder und einen Notfallfonds für behinderte Kinder sowie einen Rechtsfonds für Diskriminierungsopfer. In diesem Zusammenhang bemüht sich der Verein seither um mehr Spenden, damit diese Projekte realisiert werden können.

Mit Jänner 2012 übersiedelte freiraum-europa innerhalb des Technologiezentrums Linz in größere Büroräume und eröffnete in Berlin seine deutsche Bundesgeschäftsstelle.

Im April 2012 wurde bei der 10. Generalversammlung von freiraum-europa von den Vereinsmitgliedern der seit 2007 bestehende Vorstand, unter Vorsitz von Dietmar Janoschek, für eine weitere Funktionsperiode bis 2016 erneut gewählt.

Im November 2015 wurde freiraum-europa Behördlich als Hilfsorganisation anerkannt und zählt seit her zu den mildtätigen, Entwicklungs- und KatastrophenhilfeEinrichtungen, gemäß § 4a Abs. 2 Z. 3 lit. a bis c EStG.
Die Registrierungsnummer lautet: SO 2563. Das ermöglicht Menschen die freiraum-europa unterstützen, ihre Spende steuerlich absetzen zu können.

Seit Frühjahr 2016 gibt es zusätzlich zu Linz, Berlin und Sofia auch ein freiraum-europa Büro in Salzburg und Rosenheim sowie seit Mitte 2016 in Dornbirn. Weiteres wurde aufgrund großen Platzmangels die Bildungs- und Beratungsstelle in Linz vergrößert. Der Personalstand konnte auf 40 MitarbeiterInnen ausgebaut werden.

Bei der 14. Generalversammlung am 1.4.2016, wurde das 10.000 Vereinsmitglied von freiraum-europa feierlich begrüßt.
Außerdem wurden für die Funktionsperiode bis 2020, Dir. Dietmar Janoschek zum Präsidenten, Mag. Markus Haas zum Vizepräsidenten, Leopold Boyer zum Kassier und Harald Reisinger zum schriftführer sowie Alfred Hofecker und Rudolf Brandstätter als Rechnungsprüfer gewählt.

Im Juli 2016, wurde freiraum-europa auf Basis einer strengen Prüfung die jährlich durchgeführt wird, dass Spendegütesiegel der Kammer der Wirtschaftstreuhänder verliehen. Es beweist die sparsame, effiziente und wittmungsgemäße Verwendung der Gelder und stellt ein professionelles und transparentes Rechnungswesen sicher.
 
Die positiven Entwicklungen seit der Gründung sind den vielen haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen von freiraum-europa zu verdanken. Diese arbeiten seit der Gründung unermüdlich für das Wohl und die positive Entwicklung unserer NGO und damit für mehr Barrierefreiheit, Gleichberechtigung und Selbstbestimmung für alle Menschen.

"Erfolg ist nichts, auf dem man sich ausruhen darf, so Präsident Dietmar Janoschek, sondern ein Ansporn für eine noch bessere gerechtere Zukunft für uns alle."

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