Unfallprävention

Barrierefreiheit und Unfallprävention

Das Konzept der Barrierefreiheit wurde entwickelt, um die physisch bestehenden Barrieren für körper- und sinnesbehinderte Menschen abzubauen. Dieses Konzept dient aber nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern allen Menschen.

Definition hat sich geändert

Früher wurde die Definition von Behinderung darauf ausgerichtet, ob eine bestimmte körperliche Behinderung gegeben war, welche die Erwerbsfähigkeit eingeschränkt bzw. beschränkt hat.

Im Gegensatz dazu versteht man heute unter Behinderung jede dauernde Beeinträchtigung bei lebenswichtigen sozialen Vollzügen, ungeachtet des Alters und ungeachtet der Erwerbsfähigkeit.

Es gibt darüber hinaus den ganz alltäglichen Gebrauch des Wortes "behindert". "Behindert" kommt von "behindern" und heißt ganz einfach, dass ein Mensch in einem bestimmten Vollzug behindert ist, wodurch auch immer.

Das heißt, dass er bei bestimmten Abläufen, bei bestimmten Tätigkeiten, durch bestimmte situative Umstände beeinträchtigt wird.

Wenn wir diesen Begriff nun funktionell verwenden, dann geht es nicht darum, ob der Mensch irgendeine medizinische Diagnose aufweist oder nicht, sondern, ob der Vollzug erschwert ist oder nicht. Und solche Behinderungen sind etwas unglaublich alltägliches und haben überhaupt nichts mit Behinderungen in ihrem medizinischen Sinn zu tun.

Viele Betroffene

Je nachdem, welche Definition von Behinderung angewendet wird, kommt man auf unterschiedliche statistische Zahlen.

Nach der alten Definition und nach EU-Schätzungen hätten wir wahrscheinlich etwa 10 % Menschen mit Behinderungen.

Nach der aktuellen Definition, etwa vom Mikrozensus, rechnen wir mit einem Anteil von rund 25 % Menschen mit Behinderung in der Bevölkerung. Aber von baulichen Behinderungen betroffen sind wir alle, 100 % der Bevölkerung.

Der Zugang von freiraum-europa zum Thema Unfallverhütung bezieht sich nicht auf die Medizin.
Wir sehen nicht so sehr die Behandlung und Rehabilitation durch Medizin und Psychologie, sondern unser Zugang ist technisch und logistisch.

Denn unser Patient ist sozusagen die Umgebung, insbesondere die gebaute Umgebung, in der sich der Mensch bewegt. Barrierefreiheit kommt also nicht nur den Menschen mit dauernden Behinderungen zu Gute, sondern eben allen.

Barrierefreiheit hilft Unfälle zu vermeiden

Unser Ansatz ist, dass Barrierefreiheit Behinderungen reduziert.

Der Anteil der alten Menschen beträgt in unserer Gesellschaft rund 20 %. Aber mehr als die Hälfte der Spitalstage nach Unfällen entfällt auf diese Gruppe. Und auch die Anzahl der Todesfälle durch Unfälle aller anderen ist nahezu so groß, wie die bei Unfällen von Menschen über 60 Jahren.

Hierzu eine Statistik

 unter 60 Jahreüber 60 Jahre
Bevölkerung6.452.0001.651.000
Verletzte mit medizinischer Behandlung604.000189.000
Spitalsfälle126.00078.000
Spitalstage782.000797.000
Tote1.3891.247
Direkte Kosten in Mio. Euro910910

Die Zahlen aus Österreich sind mal zehn, aufgrund der größeren Bevölkerungsanzahl, im wesentlichen auf Deutschland übertragbar.

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