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Behinderung ist auch eine psychische Belastung

Viele die blinde oder gehbehinderte Menschen wahrnehmen, sehen nur das Offensichtliche. Viel tiefer sitzt aber die enorme psychische Belastung, die eine Behinderung mit sich bringen kann. Das Problem? Obwohl psychische Erkrankungen, wie Burn-Out, mittlerweile „salonfähig“ geworden sind, spricht kaum jemand über die psychischen Faktoren einer Behinderung. Wir klären auf!

Behindert zu sein bringt eine Umstellung des Alltages mit sich. Faktoren, die eine psychische Erkrankung begünstigen können, aber nicht müssen.

Faktor 1: Die Zeit vergeht viel schneller.

Kleine Dinge des Alltages kosten viel mehr Zeit. Egal, ob Körperpflege, Putzen oder Einkaufen: Man muss sich in Geduld üben. Normale Tätigkeiten – und sind sie noch so klein – dauern mit Behinderung drei- oder viermal so lange. Zeit, die am Ende des Tages abgeht. Ein weiteres Problem? Umso mehr Hilfe ein behinderter Mensch benötigt, umso mehr Formulare muss er ausfüllen. Dass das natürlich auch länger dauert, als bei nicht behinderten Menschen, ist klar. Natürlich, gibt es nichts umsonst, aber die Bürokratie in Österreich ist für alle Menschen, besonders aber für behinderte Menschen, eine spezielle Herausforderung.

Faktor 2: Die Gründung einer Familie.

Für ein behindertes Pärchen ist die Gründung einer eigenen Familie natürlich mit sehr viel Freude, aber auch mit einem hohen Stresspegel verbunden. Spätestens, wenn das Kleinkind zum Krabbeln anfängt, stoßen behinderte Menschen an ihre Grenzen. Denn wer kennt das nicht, dass die Kleinen in Rekordtempo herausfinden, wie man die Türen öffnet, oder den Herd als neues Lieblingsspielzeug entdecken? Hinzu kommt, dass behinderte Menschen mit Kindern von den Mitmenschen genau beobachtet werden. Kümmert er oder sie sich richtig um das Kind? Schaffen sie das? Das betrifft nicht nur Fremde, oder Bekannte, sondern auch die eigene Familie. Ein zusätzlicher Stressfaktor für den bereits gestressten, behinderten Familienvater oder –mutter.

Faktor 3: Die Arbeit.

Klar, durch den hohen Leistungsdruck in unserer Gesellschaft ist Arbeit für alle Menschen meist mit Stress verbunden. Für behinderte Menschen ist die Arbeit aber Stress pur. Es ist einfach frustrierend, wenn man für Aufgaben stundenlang braucht, die ein Kollege in einem Bruchteil der Zeit erledigt. Oft verwenden Unternehmen auch Softwareprodukte, die nicht barrierefrei sind. Sich mit diesen zurechtzufinden ist vor allem für Blinde unmöglich. Das man als Blinder seine Kollegen auf der Straße nicht erkennt, ist auch eine Belastung, die für ein unbehagliches Gefühl im Büro sorgt. Oft bekommen behinderte Arbeitnehmer, Arbeitsassistenten gefördert zur Verfügung gestellt. Das ist gut. Allerdings: Die Einschulung und Abstimmung mit der Assistenz verursacht natürlich auch Arbeit. Im Endeffekt kann man nie so produktiv arbeiten wie ein nicht behinderter Mensch und das wissen Behinderte natürlich. Das verursacht zusätzlichen Stress und unangenehme Gefühle.

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