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Workshop an Volksschule: Sooooviel Butter

Bild: Kind zeigt Menge Butter an

„Igitt…..sooooviel Butter ist auf meinem Brot gelandet!“, meint Benedikt. Der neunjährige Volksschüler hat gerade eine gute Stunde in völliger Dunkelheit im Turnsaal verbracht.

Das kommt nicht alle Tage vor und ist für die Schüler der Edmund-Aigner-Volksschule in Linz-Froschberg eine spannende Abwechslung vom Schulalltag. Zum Programm des Sinnesworkshops gehört nämlich das Streichen eines Butterbrotes, ohne etwas zu sehen. Und das ist nicht so einfach, denn nur mit den Finger ertasten, wo sich die Butterschale befindet, ist für Sehende eine Herausforderung.

„Das Obst-Erraten im Dunkeln war am lustigsten“, meint Mate, 10. Sich auf den Tastsinn zu konzentrieren, hat ihm Spaß gemacht. Auch der erstmalige Umgang mit Blinden war für ihn eine Bereicherung, denn erst war ihm das „irgendwie unheimlich, aber jetzt hab ich mich dran gewöhnt“.  
Benedikt, Mate und seine Mitschüler haben mit Dietmar Janoschek und Elfriede Dallinger einen sogenannten Dunkelworkshop gemacht. Alle anderen Schüler der Schule machen die Workshops im Laufe der Woche.

Behinderung verstehen

Dabei geht es darum, den Kindern in spielerischer Weise Verständnis für Behinderung zu geben. Aber auch die Wahrnehmung, das körperliche Erleben, was passiert, wenn der Seh-Sinn ausfällt, soll vermittelt werden. Janoschek und Dallinger sind beide selbst blind und bieten die Dunkelworkshops für Schulen über den Verein freiraum-europa an. Janoschek:“Wir merken, wie die Kinder das Thema fasziniert. Den Hör-Tast- und Geruchssinn einmal auszuprobieren und in die Welt eines Blinden einzutauchen, macht ihnen auf jeden Fall Spaß.“

Nach der Begrüßung und einer kurzen Information werden die Kinder der 4a und ihre Lehrerin Johanna Nobl in den Turnsaal geführt. Dieser ist komplett mit Folien abgedunkelt, denn nur ein kleiner Lichtschein reicht, um sich zu orientieren.

Hören ohne Sehen ist anstrengend

Der Hörsinn wird in den 90 Minuten Workshop zur Herausforderung, denn wenn in der Klasse alle gleichzeitig reden, versteht man nichts mehr. Elfriede Dallinger kennt da aber einen Trick: „Nur wer vorher seinen Vornamen sagt, darf sprechen, wenn ich ihn aufgerufen habe, denn sonst kennt sich keiner mehr aus.“ Das funktioniert auch super gleich beim ersten Ratespiel. Die Kinder sitzen an ihren Tischen und bekommen drei verschiedene Schälchen mit Gewürzen. Erst einmal herrscht Verwirrung: Wer sitzt denn neben mir am Tisch? Wo sind die Schälchen jetzt? Was nicht sehr stark duftet, ist schwierig zu erraten. Doch am Ende haben alle die Lösung: Zimtstangen, Pfeffer und Majoran.

Tasten und Fühlen: Kiwis sind haarig, Äpfel glatt

Dann stellt Elfriede Dallinger einen Korb mit Obst auf die Tische. Die verschiedenen Obstsorten sollen durch Tasten erraten werden.  Da wird  gefühlt, gespürt und vermutet, man tauscht sich aus und gibt sich Tipps. Nach einigen Diskussionen sind alle Obststücke erkannt.

Die Butter landet am Tisch und auf den Fingern

Der Höhepunkt ist die „Aktion Butterbrot“. Jeder Schüler erhält eine Scheibe Brot, ein Plastikmesser und für jeden Tisch gemeinsam eine Schale Butter. Die Aufgabe lautet: Streiche dir ein Butterbrot! Das klingt leichter als es ist.

Schwierig auch, eine Zeichnung in kompletter Dunkelheit zu machen. Da gibt es viel zu lachen, wenn nach der Jause das Licht angeschaltet wird und alle sehen können, welche witzigen Häuser ohne Dach und Menschen ohne Beine entstanden sind.

Keine Traurigkeit

Während Dietmar Janoschek jedem Kind eine Urkunde in Brailleschrift ausdruckt, stellen die Schüler Elfriede Dallinger Fragen: „ Treibst du Sport?“, „Gehst du auch ins Kino?“, „Warum bist du blind?“ „Kann man als Blinder auch heiraten?“ und schließlich die allumfassende Frage: „Hast du eigentlich ein gutes Leben?“  Darauf antwortet Dallinger ganz gelassen mit einer Gegenfrage:“Sehe ich so aus, als wenn ich traurig wäre?“. Benedikt hat in der Stadt schon einmal einen Blinden gesehen, der mit seinem Langstock unterwegs war, „da war ich echt überrascht, dass der so schnell war, denn ich würde mich da nicht auskennen“.

Schuldirektorin Helga Kellermair ist schon sehr gespannt auf die Erlebnisberichte der Klassen: „Wir haben an unserer Schule einen Schwerpunkt ´Soziales Lernen´, dabei geht es um Wahrnehmungsschulung und da passt der Sinnesworkshop natürlich sehr gut.“

Die Workshops werden vom Verein freiraum-europa für Schulen angeboten und dauern rund 90 Minuten. Die Kosten richten sich nach Entfernung und Teilnehmerzahl.

Mehr Infos http://www.freiraum-europa.org/sinnesworkshop-im-dunkeln.html

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